Nicht umsonst sagt man, dass sich hier ganz in unserer Nähe einer der regenreichsten Punkte der Erde befindet. Trotzdessen könnte man aber meinen, dass fünf Tage Dauerregen durchaus genug sein könnten.
Pustekuchen.
Petrus scheint da anderer Meinung zu sein. Es schüttet munter weiter und wir stehen kopfschüttelnd hinter unserer Moskitoabwehrkonstruktion und werden gierig von den kleinen Biestern beäugt. „Irgendwann müssen diese saftigen Zweibeiner ja mal aus dem Haus“. So ist es dann auch.

Alle Sachen geschultert und alle Kräfte mobilisiert rasen wir vom schützenden Haus zum schützenden Auto. Und nun endlich habe ich den definitiven Beweis für meine Theorie, dass „Chemoblut“ den kleinen Vampiren wohl eher nicht so mundet. Ich zähle genau zwei Stiche. Arme verwirrte Wesen, die bestimmt nicht mehr so bald die falsche Blutbar aufsuchen werden. Patrick hingegen, der Arme, kommt insgesamt bereits auf 22x Stiche. Mittlerweile rennt er jeden Abend wie ein gestörter in der Wohnung herum und sprüht alles an, was sich bewegt. Verständlich, da ihn die kleinen Biester jetzt sogar ins Gesicht gestochen haben!

Aus der Sicherheit des Autos heraus fuhren wir die Straßen entlang und bogen ab, wo es uns gefiel. So landeten wir erst auf einem Mini-Golfplatz, welcher aber leider geschlossen hatte und somit kurze Zeit später an einem wunderschönen Aussichtspunkt mit Leuchtturm.DSC00452 Danach fanden wir uns in Princeville wieder. Wirklich eine Stadt für kleine und große Prinzen. Denn alles hier ist nur vom feinsten und extrem nobel. Alles steht wie eine eins, selbst die Bäume 😉

Auf unserem Weg zurück zum Haus mussten sich dann sämtliche Strände einer eingehenden Prüfung durch uns unterziehen lassen.

 

Das Wetter besserte sich auch in den folgenden Tagen nicht wesentlich. Regen. Andauernd. Täglich. Zu jeder Stunde… Wir haben mit unseren Nachbarn geredet und die haben uns gesagt, dass wir nicht wirklich viel Glück haben momentan, das sei nicht normal. Es regnet konsequent von 19:30 Uhr bis 08:00 Uhr morgens durch… (das ist nicht schlimm, weil wir eh immer gegen 22:00 Uhr schlafen gehen und es ab 19:30 Uhr schon dunkel ist). Und dann regnet es nochmal tagsüber. So gegen 12:00 Uhr. Und gegen 16:00 Uhr. Und gegen 18:00 Uhr… Also ging, wie bereits am Tag zuvor, die Reise mit dem Auto weiter.

Es ist immer noch unfassbar, wie grün hier alles ist. Egal wo, es sieht immer aus wie ein Dschungel und tausende Pflanzen umgeben uns, meterhohe Bäume und massig Wasserfälle, Flüsse und Seen sind um uns herum.DSC00581

Am Ende einer einsamen Straße wurden wir förmlich von der Natur erschlagen. Wir waren eigentlich auf dem Weg zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man einen atemberaubenden Blick auf einen der vielen Wasserfälle haben soll, als wir plötzlich verblüfft feststellten, dass wir geradewegs an der staunenden Menschenmenge, dem großen Parkplatz und vor allem dem Wasserfall vorbeifuhren. Anhalten war leider nicht möglich, wenden noch unmöglicher. Also fuhren wir weiter, gespannt auf das, was uns am Ende der Straße wohl erwarten würde.
Aufgeregt und jedes Detail der Umgebung aufsaugend bogen wir um eine Ecke und standen vor einem Fluss, durch den die Straße führte. Unsicher, ob unser kleiner Nissan Versa das packen würde, wo er kurz zuvor noch über Reifenprobleme geklagt hatte, begab sich Patrick todesmutig auf Flip-Flop-Mission. Er watete die Strecke entlang und prüfte mit seinen Flip-Flops die Untiefen.DSC00502 Nachdem er der Meinung war, dass unser Nissan das locker schaffen würde, ging die Fahrt weiter. Nach der nächsten Biegung war allerdings Schluss mit lustig. Es gab keine geteerte Straße mehr, sondern nur noch Dschungelweg, holprige Pisten, die durch den ständigen Regen aufgeweicht und glitschig waren. Wir sahen uns an, zuckten mit den Schultern und fuhren dann, trotz einiger kleiner Bedenken, in den Dschungel hinein.DSC00535
Der Weg wurde steiler, holpriger, doch der Nissan kämpfte sich weiter tapfer vor-, ab- und aufwärts. Unser Abenteuertrip endete abrupt an einer weiteren überfluteten Stelle des Weges. Wie uns ein entgegenkommender Geländewagen eindrucksvoll bewies, er befand sich bereits mit der Karosserie im Wasser, wäre ein Versuch mit unserem Nissan fatal gewesen.DSC00532Autoschlamm Also wendeten wir auf dem engen Weg und tuckerten zurück. Ein Adrenalinkick blieb jedoch bestehen.

 

Wir schlenderten über einen Markt und schlürften genüsslich eine Kokosnuss.DSC00472 Abends stillten wir unseren Hunger in einem lokalen Bistro mit dem treffenden Namen „Hanalei Gourmet“.DSC00569

Die Abende verbringen wir generell meist im Haus; lesend, spielend, kuschelnd mit einer Menge Zuschauer an den Fenstern. Wir mussten auch schon auf Kakerlakenjagd gehen, die leider gar nicht mal so klein sind und, was noch viel schlimmer ist, gar nicht mal so langsam.

 

Wir sind bereits neun Tage hier und pünktlich mit der Besserung des Wetter vor ungefähr fünf Tagen ging es mir schlecht. Ich lag jetzt seit fast fünf Tagen nur im Bett. Massive Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost und Übelkeiten hielten mich in Schach. Durch das lange Liegen bin ich verspannt, mein Kreislauf ist im Keller und wegen des ständigen Übergebens bin ich froh, dass ich mittlerweile einen halben Apfel in mir behalte. Zu allem Überfluss hatten wir am Vortag, bevor es mir so schlecht ging, eine Strandmassage in einem nahegelegenen SPA ausgemacht, sodass wir diese nicht mehr absagen konnten. In atemberaubender Kulisse mit wundervollem Meeresrauschen im Hintergrund, sanften Händen, tollen Handgriffen und einer perfekten Mischung aus wohltuender kräftiger Massage und angenehm weichen Streicheleinheiten kämpfte ich die letzte halbe Stunde der Massage mit der Übelkeit. Egal! Die erste halbe Stunde war durchaus angenehm 😉
Heute saß ich schon wieder mehr, als dass ich lag. Ich muss schnell wieder fit werden, denn wir haben nur noch vier Tage hier und die haben wir mit Programm nur so vollgepackt. Hier kann man nämlich unheimlich viele Dinge unternehmen und viele dieser Dinge stehen auf meiner 100-Dinge Liste, die ich schon vor einer Weile angefertigt habe.

Wir lassen uns von sowas doch nicht ausbremsen! Kommt ja gar nicht in die Tüte. Zähne zusammen, Augen zu und durch – Tschakaaaa!DSC00589